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Georg Winter (Biokratie)

Georg WinterDr. Georg Winter (*1941 in Hamburg) gilt über Deutschland hinaus als frühester Pionier ganzheitlich umweltorientierter Unternehmensführung, welche systematisch alle Unternehmensbereiche und –ebenen insbesondere auch an Umweltzielen ausrichtet. Auf den deutschen Umweltökonom ist außerdem der Biokratie-Begriff zurückzuführen, den er 1993 auf der International Conference on Eco-Management in Tokyo erstmals vorgestellt und zu einer internationalen Diskussion freigegeben hat.

Die Geburtsstunde umweltbewusster Unternehmungsführung

Tief beeindruckt und angetrieben durch die Lektüre des Buches Todeskandidat Erde von Ernest E. Snyder, initiiert Georg Winter 1972 umweltbewusstes Management in Familienunternehmen. Als Geburtsstunde gilt seine vorrangig dem Umweltschutz gewidmete Rede zum 125. Jubiläum des Diamantwerkzeug-Unternehmens Ernst Winter & Sohn GmbH & Co., welches er 25 Jahre mit leitete. Mit seiner Jubiläumsrede gibt er den Anstoß für das in den Folgejahren entwickelte sogenannte Winter-Modell.

Umwelt-Initiativen

Das Winter-Modell

Das Winter-Modell gilt als das weltweit erste integrierte System umweltorientierter Unternehmensführung.

Entstehung

1972 erklärt das Unternehmen Ernst Winter & Sohn mit der von Dr. Georg Winter gehaltenen Rede zum 125-jährigen Jubiläum den Umweltschutz erstmals zu einem offiziellen Unternehmensziel und zur Chefsache. Aus diesem Pflichtbewusstsein heraus entwickelt Winter das sogenannte Winter-Modell, welches den umweltorientierten Charakter in das gesamte Organisationssystem bzw. in alle Unternehmensbereiche integriert, von der Bauweise eines neuen Werkes bis zur Aus- und Weiterbildung des Personals, von der Forschung und Entwicklung über die Materialwirtschaft und Produktion bis hin zum Recycling. Das heißt, dass der Ursprung und das Motiv für die Entwicklung und Erhaltung des Winter-Modells von Anfang an das Bewusstsein dafür gewesen ist, dass „Unternehmen als starke Beansprucher der natürlichen Ressourcen auch eine gesteigerte Verantwortung für deren Erhaltung tragen.“

Innerbetriebliche und überbertriebliche Elemente

Innerbetriebliche Umweltschutzaktivitäten:
  1. Nummerierter Listeneintrag
  2. Umweltorientierte Mitarbeiterschulung
  3. Umweltberatung in Mitarbeiterhaushalten
  4. Umweltbeauftragter, Leiter Umwelttechnik, Interdisziplinärer Umweltausschuss und Umweltvorschlagswesen
  5. Umweltorientierte Produkt- und Verfahrensentwicklung
  6. Entsorgung und Recycling nach dem letzten Stand der Technik
  7. Umweltorientierte Materialbeschaffung
  8. Baubiologischer Industriebau
  9. Umweltorientierte Standortentscheidung
Überbetriebliche Umweltschutzaktivitäten:
  1. Umweltorientierte Verbandsarbeit
  2. Unternehmenskontakte im Dienst von Bürgerinitiativen
  3. Finanzielle Förderung von Umweltschutz-Organisationen
  4. Erfinderbörse Umweltschutz

Weiterentwicklung politischer Willensbildung

Auch wenn der Biokratie-Begriff personell und zeitlich nicht sicher festgemacht werden kann, wird seine Förderung seit Ende des 20. Jahrhunderts dennoch auf Georg Winter zurückgeführt. Durch die Konkretisierung des Konzepts, die Förderung seiner Anwendungsreife sowie die Propagierung und Verbreitung des Biokratie-Gedankens leistet Winter einen bedeutsamen deutschen Beitrag zu diesem Thema. Er selbst schreibt hierzu in der deutschen Tagespresse:
„Die Demokratie […] bedarf der Fortentwicklung. Sie muss nicht nur jeden Menschen, sondern auch jedes Lebewesen ernst nehmen, […]. Denn jedes Lebewesen trägt zur Erhaltung des Gleichgewichts der Natur bei. Die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen muss Verfassungsrang erhalten. […]“ (Winter 1994)

Werke zum Umweltschutz

Winter, G. (1988): Business and the environment. A handbook of industrial ecology with 22 checklists for practical use and a concrete example of the integrated system of environmentalist business management (the Winter model). Hamburg: McGraw-Hill.

Winter, G. (1990): Einführung des umweltorientierten Managements in die Betriebspraxis. Hamburg: B.A.U.M. Verlag.

Winter, G. (1993): Das umweltbewusste Unternehmen. Ein Handbuch der Betriebsökologie mit 28 Check-Listen für die Praxis. München: Beck Verlag.

Winter, G. (Hrsg. 1997): Ökologische Unternehmensentwicklung. Management im dynamischen Umfeld. Berlin: Springer-Verlag.

Hopfmann, J. & Winter, G. (1997): Zukunftsstandort Deutschland. Das Programm der umweltbewussten Unternehmer. München: Droemer Knaur Verlag.

Winter, G. (1998): Das umweltbewusste Unternehmen. Die Zukunft beginnt heute (6. Auflage). München: Vahlen Verlag.

Wicke, L. & Schulte von Drach, M.C. (2013): Energiewende-Wende – Mehr Klimaschutz, aber sozial und wirtschaftsverträglich. Winter, G. (Hrsg.). Neumünster: Wachholtz Verlag.

 

Quellen

Homepage zum HAUS DER ZUKUNFT: http://www.haus-der-zukunft-hamburg.de/

Seidel, Eberhard (Hrsg. 2011): Georg Winter – Pionier der umweltbewussten Unternehmungsführung. Festschrift für Georg Winter zum 70. Geburtstag. Marburg: Metropolis-Verlag, S. 491-497.

Winter, G. (1993): Das umweltbewusste Unternehmen. Ein Handbuch der Betriebsökologie mit 28 Check-Listen für die Praxis. München: Beck Verlag, S. 51-64.